Biogasanlagen optimieren und Prämie erhalten

Praxisbeispiel BV Bioenergie Versen

Viele Betreiber von Biogasanlagen erweitern im Laufe der Zeit ihre Anlagen oder passen sie aufgrund rechtlicher Auflagen an. Staatliche Prämien wie die Flexibilisierungsprämie sind dabei eine entscheidende Finanzierungsmöglichkeit.

Mit dieser Prämie fördert der Staat Betreiber von Biogasanlagen, die den Strom direkt vermarkten. Die Prämie kann zum Beispiel dafür verwendet werden, ein neues Blockheizkraftwerk (BHKW) zu finanzieren. Oftmals wird das alte BHKW weiterhin genutzt und mit einer neuen Einheit verknüpft. So kann auch die alte Anlage noch zur Stromproduktion beitragen.

Die Betreiber der BV Bioenergie Versen haben sich dieses Jahr dazu entschieden, in ein zusätzliches BHKW mit einer Leistung von 1.203 kW/h Strom und in einen großen Warmwasserspeicher zu investieren.

Der Tagesfahrplan der Anlage Versen richtet sich möglichst nach dem Strombedarf an der Börse. Zu Zeiten, in denen die Verbraucher viel Strom benötigen, sind die Preise deutlich höher. Die Biogasanlage Versen verfügt über entsprechende Reserveleistungen, sodass sie in Spitzenzeiten bedarfsgerecht Strom produzieren kann.

Neben der flexiblen Stromvermarktung stehen vor allem die potentiellen Nebenerträge aus der Wärmenutzung im Vordergrund. Biogasbetreiber, die diese Wärme nutzbringend abgeben, erhalten den Bonus für Kraft-Wärme-Kopplung (KWK). Bei der optimalen Auswahl der BHKW-Größe für die Flexibilisierung musste neben der Wärmeabgabemöglichkeit auch die Größe des Gärraumes, des Gasspeichers und der Leitungsquerschnitte beachtet werden.

„Wir haben bereits 2009 mit dem Zubau eines weiteren Behälters den Grundstein für eine Leistungsverdoppelung geschaffen. Mit dem neuen BHKW wird nun ein Sommer- und ein Winterfahrplan abgefahren.  Wenn wenig Wärme gebraucht wird, darf das BHKW nur kurze Zeit laufen und wenn es kalt ist, soll die Anlage durchlaufen. Jetzt können wir innerhalb von nur fünf Stunden den täglichen Wärmebedarf unseres Abnehmers in den Sommermonaten sichern“, sagt Anton Krallmann, stellvertretend für Bioenergie Versen. Generell gilt: Der Betreiber einer Biogasanlage erhält im Rahmen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) eine feste Vergütung für den gelieferten Strom für einen Zeitraum von 20 Jahren. Innerhalb dieses Zeitfensters kann er die Flexibilisierungsprämie anfordern, um in seine Anlage zu investieren. Diese wird für zehn Jahre ausgezahlt. Voraussetzung dafür ist, dass die Anlage noch zehn Jahre im EEG läuft.

Bioenergie Versen ist ein anschauliches Beispiel: Die Anlage wurde 2007 gebaut, sodass die Betreiber spätestens nächstes Jahr (2018) die Flexibilisierungsprämie hätte in Anspruch nehmen müssen, um die vollen zehn Jahre Förderung zu erhalten.

Die ursprüngliche EEG-Vergütung wurde im Zuge der flexiblen Energieerzeugung durch die Markt-Managementprämie abgelöst. Neu dazugekommen sind die Flexibilitätsprämie und die Zusatzerlöse aus bedarfsgerechter Stromvermarktung. „Die Gesamthöhe der Vergütung wird sich wenig ändern. Es ist nur komplizierter geworden“, meint Krallmann.

Seit diesem Jahr gibt es außerdem das EEG 2017. Damit besteht auch für Bestandsanlagen die Möglichkeit, über ein Ausschreibungsverfahren eine zweite Vergütungsperiode für zehn weitere Jahre in Anspruch zu nehmen. Die Hausforderung liegt in der Preisobergrenze mit 16,9 ct/kWh als neue Vergütung und einen neuen Flexibilitätszuschlag von 40 €/kW pro Jahr für die insgesamt installierte Leistung.

Das Ziel der Bioenergie Versen ist es, „Strom und Wärme flexibel zu produzieren, um damit eine gute Ausgangsposition für den wirtschaftlichen Weiterbetrieb nach 2028 zu haben.“