Stephan Klimas

Stephan Klimas, geb. in Nordhorn,

1980-87 Studium Freie Malerei an der Hochschule der                         Künste, Berlin

1984-91 Mitglied der Künstlergruppe Urban Art

1991-92 Berliner Künstlerprogramm / DAAD Stipendium,                  London

seit 1995 Gastdozent für Malerei an der University of Hertfordshire in England und an der Columbia University, New York

Lebt und arbeitet seit 1991 in London

 

Stephan Klimas malt Bilder, weil er neugierig ist. Er möchte die Welt erforschen, die ihn umgibt, insbesondere die Geschwindigkeit und Melancholie der großen Städte.

Frühe Einflüsse von Künstlern der COBRA-Gruppe, wie Asger Jorn und Karel Appel, mit denen der deutschen Expressionisten Kirchner, Heckel und Schmidt-Rotluff in sich vereinigend, sucht Klimas während der 80ziger Jahre die Ursprünge seines eigenen Malstils zu ergründen. Mehrmals verbringt er die gesamte Wintersaison äußerst produktiv im Süden Marokkos um unter freiem Himmel zu malen. Sein Ziel war nicht, seine expressionistischen Vorläufer zu wiederholen, sondern seine Arbeit eine exakt unserer Zeit entsprechende Relevanz zu geben.

Wie die Berliner Neo-Expressionisten Middendorff und Fettig untersucht Klimas die Punk- und New Wave-Kultur, benutzt Abfall und Schutt urbanen Lebens, um Kunst und Leben einander näherzubringen. In Marokko malte er seinen „Fernseh-Fetisch“ (1988) auf am Strand gesammelte rostige Sardinenbüchsen.
In Berlin gründete Klima die Künstlergruppe Urban-Art. Ihre gemeinsame Open-Air-Installation „Friedhof der Dinge“ (1989) bestand aus Brocken von Straßenasphalt, an rohen Pfählen befestigt, graviert und bemalt mit fragmentarisch-figurativ erzählerischen Motiven. Seine Kunst verschmelzt das  Dauerhafte mit dem Unmittelbaren, sie kann aus Spreu und fließendem Wasser sein oder gefertigt aus Gummibändern, altem Teppich und einem Einkaufswagen.
Seine Landschaft ist eine Stadtlandschaft, erleuchtet vom Neon und dem Schein von Natriumdampf, unterbrochen von Werbewänden, die sich selbst als Altäre der Kunst anbieten.
Die Aufgabe der Kunst ist, unseren Blick auf das Leben zu erneuern, unseren einzigartigen Sichtwinkel zu verändern. Kunst ist aktiv, eine Antriebskraft auf unsere Kultur, bringt Sachverhalte in Bewegung.

Im Frühjahr 1995 publizierte Klimas in London und Berlin seine dokumentarische Studie „Reports of Worldwide Visual Diseases“. Das Buch untersucht die verwerfliche Hast und Härte unserer Gegenwartsgesellschaft und die zu Ende dieses Jahrhunderts immer korrupter werdenden Phänomene des Schönen.

Was geschah dem legitimen Streben der Kunst nach Schönheit? Ironie widerlegt Ironie. Gewalt liegt spürbar in der Luft einer Samstagnacht über London und Berlin. Es gibt keine aristotelische Einheit mehr, zu der Kunst sich erheben könnte, alles erwartet in fragmentarische Form die nebeneinanderstellende Hand des Künstlers.
Klimas künstlerische Identität hat sich im Bereich der von ihm verwendeten Medien erweitert bei gleichzeitiger Konzentration auf inhaltliche Brennpunkte. Er ist zum Kommentator, Kommunikator und letztendlich zum Gewissen geworden. Seine Position ist an der Frontlinie, nicht hinter Barrikaden.
Wir müssen Robert Browning beipflichten: „Unser Interesse gilt dem gefährlichen Rand der Dinge“.

Vorwort: Adrew Lambirth, London, Sept. 1996

Exponat für die EVB-Kunstsammlung