Heylscher Saal als touristische Sehenswürdigkeit in Meppen

Der Heylsche Saal, eines der wenigen bedeutenden Beispiele des Klassizismus im Emsland, bleibt der Nachwelt erhalten.

Bei den Abbrucharbeiten im Zuge des Neubaus der Emsländischen Volksbank eG stieß man auf den Heylschen Saal, dessen Stuckdecke wegen einer Zwischendecke jahrelang verborgen blieb. Auf Initiative mehrerer Bürger bewirkte das Amt für Denkmalpflege in Osnabrück den Erhalt dieses Raumes.

Holländische Firmen, die auf die Restaurierung von historischen Gebäuden spezialisiert sind, besorgten die notwendigen Stabilisierungs- und Renovierungsarbeiten.
Seit August 1977 hat „der wuchtige Backsteinbau den kleinen ovalen Saal wie schützend in seine Arme genommen“ (Kraneburg).

Das Haus Heyl wurde im Jahre 1809 für den herzoglich Arenbergschen Kammerrat Anton Heyl gebaut, den von der damaligen französischen Besatzungsmacht eingesetzten Präfekten des hiesigen Bezirks.

Architekt war der herzoglich Arenbergsche Hauptmann und Baudirektor August Reinking aus dem Hause Düneburg bei Haren. „Seine architektonische Ausbildung erfuhr er wohl durch den Großonkel, den Landesbaudirektor W.F. Lipper aus Münster und als Vorbilder verehrte er die Ahnen aus der berühmten Architektenfamilie Pictorius“ (Wilhelm Rave in der Zeitschrift „Westfalen“ 1932).

Zu Reinkings wichtigsten Bauten zählen das Stiftsgebäude Flaesheim bei Recklinghausen, die Schlösse Velen und Burgsteinfurt, die spätere Arenbergsche Rentei in Meppen, sowie die Bürgerhäuser Wiedehage und Russell (heute Burghotel) in Haselünne. Entwürfe für das Haus Heysl befinden sich im Westfälischen Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Münster.

Roswitha Poppe nennt in ihrem Buch „Bau- und Kunstdenkmäler im Kreise Meppen“ den Heylschen Saal ein klassizistisches Kunstwerk von überregionaler Schönheit. „Durch geradezu raffinierte Maßnahmen wirkt der an sich rechteckige Grundriss des Raumes durch Aussonderung von Ecknischen und Anordnung der Stuckdecke völlig oval, ein Prinzip, das schon W.F. Lipper beim Festsaal des Schlosses zu Münster anwandte“.

Die wuchtig gezähnten Blätter des Akanthus, einer im Mittelmeerraum wachsende Distelart, dienen als Ornamente der Stuckdecke, ebenso wie die eiförmigen Zierleisten, beides Schmuckelemente griechischer Tempel.

Laut Alexander Geppert „Meppen, Abriss einer Stadtgeschichte“ erwarb ein großer Sohn der Stadt Meppen, W.A. Riedemann, das Präfekts Hus für seine Angehörigen. In „150 Jahren Bremerhaven“ wird über ihn berichtet: Mit der „Waried Tankschiff Reederei“ („Waried“ ist die Abkürzung für Wilhelm Anton Riedemann) war Riedemann Mitbegründer der Deutsch-Amerikanischen Petroleumgesellschaft, der späteren „Esso“. Das Petroleum transportierte er zunächst in Fässern, später in Tankdampfern, die nach seinen Plänen erst, als neu gebaut wurden. Der Aufstieg vom kleinen Spediteur zum Millionär und „Petroliumkönig“ lag begründet in Riedemanns klarem Kopf, seinem Fleiß, seiner Sparsamkeit und der ihm eigenen Art, mit Menschen umzugehen.

Nach Geppert blieb Riedemanns stets seiner alten Heimat treu verbunden. Neben vielen Zuwendungen sei besonders das Geschenk an seine Vaterstadt erwähnt, der prachtvolle Hochaltar in der Propsteikirche.
Das „Präfekts Hus“ war jahrzehntelang der gesellige Mittelpunkt angesehener Familien in Meppen und Haselünne. „Könnten die Wände dieses Saales ausplaudern, sie würden berichten von der Behaglichkeit und der natürlichen Fröhlichkeit der guten alten Zeit“ (A. Geppert).